News

Musik, Bücher & mehr: Die Neuerscheinungen der Woche

Das öffentliche Leben hat die Pause-Taste gedrückt, aber noch immer kommen neue Alben, neue Singles, die ersten Lieder zur Covid-19-Krise, Bücher und Serien. Hier gibt es jede Woche eine handverlesene Auswahl. Diesmal mit Dua Lipa, Childish Gambino, Die Ärzte, Bob Dylan u. v. m.

Die Neuerscheinungen der Woche haben es auch diesmal in sich. Ab heute präsentiert die Redaktion des Applause Magazins Tipps für die Zeit zuhause – von neuer Musik bis Buch-Tipps und neuem Stoff zum Binge-Watchen.

Alben der Woche

Dua Lipa – „Future Nostalgia“ (Universal)

Für die Titelstory unseres Ticketmaster-Magazins Applause sprachen wir kürzlich mit Dua Lipa höchstselbst. Im Interview, das ihr hier lesen könnt, sagte sie uns: „Mein Album sollte in sich geschlossen sein, mit einem roten Faden, der sich durch das gesamte Album zieht – und das ist die Musik, die mich in meiner Kindheit inspiriert hat. Ich habe versucht, diesen Sound mit einer sehr zeitgemäßen Produktion zu vermischen, die schon mit einem Bein in der Zukunft steht. Diese Verbindung steckt hinter dem Titel ‚Future Nostalgia‘.“

Tja, was sollen wir sagen. Hat geklappt. Das Album klingt, als hätte Dua Lipa eine Party mit Daft Punk, Moloko und den Disco-Platten ihrer Eltern gefeiert, was vor allem bei „Levitating“ und „Break My Heart“ einen Höllenspaß macht.

Childish Gambino – „3.15.20“ (RCA / Sony)

Donald Glover, der sich hinter diesem Moniker verbirgt, ist der Tausendsassa der amerikanischen Popkultur. Die von ihm gespielte und geschriebene Serie „Atlanta“ gehört zum Besten, was am auf Fernsehern schauen kann, seine Single „This Is America“ samt krassem Video war der Song des Jahres 2018.

Nun hat er von jetzt auf gleich ein neues, mysteriöses Album ins Netz gepackt: „3.15.20“, das überwiegend mit dem Produzenten DJ Dahi und Glovers Kreativpartner Ludwig Goransson entstand, bleibt etwas zu mysteriös und klingt mal nach einem bekifften Prince und mal nach einem Glover, der sich auf Sinnsuche im Nebel verloren hat. Hat aber trotzdem seinen Reiz, weil selbst ein Glover, der nicht ganz in Topform ist, ein verdammtes Genie bleibt.

Pearl Jam – „Gigaton“ (Republic / Universal)

Man fragt sich ja schon ein wenig, wer denn eine Band wie Pearl Jam in Sachen Albenartwork berät. Vermutlich keiner. Sonst hätte vielleicht jemand gemerkt, dass ihr neues Album aussieht, als wäre es auf der Prog-Rock-Reste-Rampe der 70er vergessen worden.

Zum Glück gibt’s da noch die Musik: Und die ist bei Eddie Vedder und seiner Gang natürlich noch immer auf Top-Niveau: Ein zeitgemäßes Grunge-Update, das besonders bei Songs wie „Superblood Wolfmoon“ und „Take The Long Way“ besonders gut vom Hocker reißt. Nach hinten raus wird Album ruhiger, was ihm auch gut steht: „Buckle Up“, „Retrograde“ und vor allem das sich langsam aufbäumende Schluss-Stück „River Cross“ lassen das Herz unter dem Baumwollhemd höher schlagen.

Sufjan Stevens & Lowell Brams – „Aporia“ (Asthmatic Kitty)

Wer die Engelsstimme und die poetischen Texte des Songwriters Sufjan Stevens mag, wird vielleicht ein klein wenig enttäuscht sein. Denn „Aporia“ ist ein Instrumentalalbum, eingespielt mit Stevens Stiefvater Lowell Brams, der zugleich Chef des Kultlabels Asthmatic Kitty ist. Und ja, es ist der Lowell, von dem Stevens auf seinem besten und persönlichsten Album „Carrie & Lowell“ sang. Hier suchen die beiden musikalische Schwebezustände und schaffen damit eine Klangdecke, die erstaunlich gut in diese seltsame Zeit passt.

Little Dragon – „New Me, Same Us“ (Ninja Tune)

Sängerin Yukimi Nagano und ihre Kollegen von Little Dragon haben das neue Album komplett im selbstgebauten Heim-Studio in Göteborg eingespielt. Und genauso klingt es auch: Als hätten sie die eigenen räumlichen und kreativen vier Wände neu vermessen. Und die heißen: Electro-Pop, Soul, Dance und Lyrics, die Nachdenkliches tanzbar machen können.

Hundreds – „The Current“ (Embassy Of Music)

Das Geschwister-Duo Eva und Philipp Milner ist auf dem vierten Album weiterhin an der Schnittstelle zwischen organischem Klang und elektronischen Soundelementen unterwegs. Vor allem Evas Texte und auch ihre Stimme klingen ein wenig kräftiger, bestimmter als zuvor, was dem Hundreds-Sound sehr gut tut. Überhaupt gibt es wenige deutsche Bands, die dermaßen international klingen in diesem Genre.

5 Seconds Of Summer – „Calm“ (Interscope)

Hätte man ja auch nicht gedacht, dass das Pop-Rock-Genre 2020 noch immer putzmunter ist. Dass dem so ist, liegt an Bands wie den Australiern 5 Seconds Of Summer, die völlig schamlos Emo-Pop und Boygroup-Look zusammenbringen und beides in zugängliche Hits wie „No Shame“ oder „Lover Of Mine“ gießen.

Mia. – „Limbo“ (Four Music / Sony)

Mieze Katz und ihre Jungs wollen „in harten Zeiten Einhörner reiten“, wie sie im Titelstück verkünden. Elf Songs lang gelingt es ihnen, den passenden Soundtrack dazu zu stricken. Electro-Pop, mal melancholisch, mal stichelnd, mal mit großer Freude am pointierten Wortspiel. Alles beim Alten also im Hause Mia. – was durchaus als Kompliment gemeint ist. Vor allem „Mauerpark“ oder „Richtig Im Falschen“ sind deutschsprachige Popmusik, wie sie klingen sollte.

Brian Fallon – „Local Honey“ (Lesser Known Records)

Wer die Stimme dieses Mannes einmal gehört hat, wird sie so schnell nicht vergessen. Mit seiner Band Gaslight Anthem zeigte Brian Fallon Ende der Nullerjahre, wie gut sich der Springsteen-Sound mit Punkrock vertragen kann, wenn man beide Zutaten mit dem gleichen Respekt behandelt. „Local Honey“ überrascht stilistisch niemanden, der Fallons Solo-Shows kennt, aber die (leider nur) acht Songs zeigen mal wieder seine zutiefst melancholische Seite, die eher zart denn hart sein will und sich gleich mehrmals vor seinem Kumpel Springsteen und dessen „Nebraska“ verneigt.


Neue Bücher

Bücher der Woche

„Schlafende Hunde“ von Anja Rützel (Kiepenheuer & Witsch)

Die Journalistin und Autorin Anja Rützel schreibt für den Spiegel die schrecklich-schönen TV-Kritiken über das Dschungelcamp und (ganz aktuell) über „Promis unter Palmen“. Neben Trash-TV und Pop-Kultur gilt ihr Interesse vor allem Tieren. Und so erzählt sie in ihrem neuesten Werk „Schlafende Hunde“ die Geschichte von Winston Churchill, der, oft als bärbeißige Bulldogge karikiert, privat mit flauschigen Pudeln schmuste oder die von Großmäzenin Peggy Guggenheim, die sich neben ihren 14 Schoßterriern begraben ließ.

Bei ihren Recherchen stieß sie aber auch auf Briefe, die Richard Wagner aus dem Exil an seine Frau Minna schickte und in denen er sich mehr nach seinem Hund Peps als nach seiner Angetrauten sehnte. Und dann besuchte sie noch das Grab von Susan, der erste Corgi von Queen Elizabeth II., dessen 30 Nachfahren britische Königin durchs Leben begleiteten. Zehn tolle Liebesgeschichten zwischen Hunden und ihren Haltern!

Mehr über „Schlafende Hunde“ erfahrt ihr hier.

„Das Beste kommt noch“ von Richard Roper (Rowohlt)

Dieses Problem dürften einige von uns aus dem Online-Dating kennen: beim Familienstand wird gerne mal geschummelt und die Frau und Familie unterschlagen, um bessere Chancen auf dem Liebesmarkt zu haben. Die Vorzeichen in Richard Ropers Buch „Das Beste kommt noch“ sind etwas andere. Andrew, von Beruf Nachlass-Verwalter, hat seinen Kollegen die Notlüge aufgetischt, ein glücklich verheirateter Ehemann und Familienvater zu sein.

In Wahrheit wohnt Andrew allein in einem Londoner Ein-Zimmer-Apartment und führt ein genauso einsames Dasein wie seine Verstorbenen kurz vor ihrem Tod. Das ändert sich, als eine neue Kollegin in der Abteilung anfängt. Andrew verliebt sich. Jetzt hat er gleich zwei Probleme zu lösen: Peggy ist verheiratet und hat zwei Kinder. Und sie glaubt, Andrew wäre in der gleichen Situation…

Mehr über „Das Beste kommt noch“ erfahrt ihr hier.


Serienstart der Woche:

„Westworld“, Staffel 3 (Sky)

Wir sind schon ganz aufgekratzt und müssen uns leider noch bis Montag gedulden. Aber dann geht es endlich weiter in der Welt von „Westworld“. In der dritten Staffel wird sich vermutlich endlich entscheiden, ob die ziemlich menschlichen Roboter um Dolores in Zukunft die Erde mit freiem Willen bevölkern und die Menschen unterjochen werden, oder ob es doch anders ausgeht. Während die zweite Staffeln manchmal ein wenig zu vertrackt geraten war, sind die Hoffnungen groß, das man nun wieder auf Kurs kommt. Eines wird sich aber auch in Season 3 nicht ändern: Die Roboter sind einem hier irgendwie, äh, sympathischer als die Menschen.


Bonus Track(s): Corona-Content & Überraschungen

Die Ärzte – „Ein Lied für Jetzt“

Es sind seltsame Zeiten – und irgendwie ist es ja klar, dass nun auch die ersten Künstlerinnen und Künstler reagieren und die ersten Lieder zur Corona-Krise singen. In dieser Woche sind es zum Beispiel die Ärzte, die ihre Fans mit dem sehr charmanten „Ein Lied für Jetzt“ beschenken. Eine amüsante Fingerübung, klar, aber eine, die auch mal den Blick aufs Wesentliche schärft: Nämlich, dass viele von uns noch sehr gut dran sind, mit der Quarantäne-Situation.

JoJo – „Chill (Stay In)

So einfach kann es manchmal sein. Die junge Pop-Sängerin JoJo hat die obligatorischen „Bleib zuhause“ und „Wasch dir die Hände“-Ermahnungen für die eigenen Fans in einer sweeten Song gepackt, der am Ende sogar auch die eigene, äh, „Hornyness“ thematisiert. Ihr wisst schon, was damit gemeint ist.

Bob Dylan – „Murder Most Foul“

Selbst Großmeister Bob Dylan beschenkt seine Fans mit einem bisher unveröffentlichten Song. Und was für einem! „Murder Most Foul“ nimmt allerdings nicht Corona ins Visier, sondern ist eine gut 17-minütige Medidation über das Kennedy-Attentat. Man rätselt gerade noch, wann er diesen Song aufgenommen hat, aber trotzdem ist sich die Musikpresse bereits einig, dass man es hier mit einer kleinen Sensation zu tun hat. Viel Spaß beim Interpretieren und Analysieren dieses gewaltigen Textes – das dürfte uns alle eine Weile in der Quarantäne beschäftigten.

Kollabo-Song: Alice Merton & Awolnation

Damit hatte wohl keiner gerechnet: Alice Merton hat sich mit Awolnation zusammengetan und am Freitag den neuen Song „The Best“ überraschend gedroppt. Am Abend gibt es außerdem einen Livestream beider Künstler hier auf Instagram – ab 20 Uhr (deutscher Zeit) könnt ihr reinschalten.

Tipp: Noch mehr aktuelle Livestreams von Bands, DJs, Kultureinrichtungen und anderen Wohnzimmer-Konzerten findet ihr hier.

Share post